Die Leiden des jungen Werthers
Brief am 18. Aug.
Werther leidet. Mit jedem Tag ein bisschen mehr.
Die Liebe zu Lotte, die ihn Anfangs des Sommers noch förmlich aufblühen liess, fügt ihm nun nichts als Schmerz und Leid zu.
So schreibt er zu Beginn des Briefs:
"Musste denn das so seyn? dass das, was des Menschen Glücklich macht, wieder die Quelle seines Elends würde?"
Er scheint realisiert zu haben, wie unerreichbar Lotte für ihn ist.
(Dies mag gut mit der Ankunft von Lottes Verlobten zu tun haben. Möglicherweise ist Werther dadurch gezwungen, den Tatsachen ins Auge zu sehen.)
Was er nun macht?- Er schreibt weiter in seinem Brief. Über die Landschaften, die Berge und Flüsse, die darin lebenden Tiere und Geschöpfe und wie ihm all dies nicht mehr das geringste bedeutet. Die ganze Natur und alles was er schon seit jeher liebte, scheint seinen Reiz verloren zu haben.
Depressiv gibt er zu Papier:
"Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen, und der Schauplatz des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des ewig offenen Grabs."
Was für ihn vor Lotte bedeutend war, scheint ohne die Aussicht auf Sie nichts mehr Wert zu sein.
So findet er sich in einem Tief wieder und schreibt von Himmel und Erde:
"Ich sehe nichts, als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer."